250 Initiativen starten weltweiten Aufruf gegen Milliardengeschenke für die Flugindustrie

250 Initiativen starten weltweiten Aufruf gegen Milliardengeschenke für die Flugindustrie

#SavePeopleNotPlanes: Offener Brief fordert, die Bedürfnisse der Arbeiter*innen und Klimaschutz bei der Krisenbewältigung in der Flugindustrie an erste Stelle zu setzen

Berlin – 6. April 2020: Am heutigen Montag rufen über 250 Organisationen in einem offenen Brief an Regierungen weltweit dazu auf, die Forderungen der Luftfahrtlobby nach bedingungslosen Rettungsgeldern für die Flugindustrie zurückzuweisen. Die Politik müsse vielmehr auf Kriterien zum Schutz von Arbeitsrechten und der Umwelt bestehen. Seit heute kann auch eine Onlinepetition dazu unterschrieben werden.

“Die Luftfahrtindustrie wehrt sich seit Jahrzehnten gegen eine angemessene Besteuerung von Flugtickets und untergräbt mit künstlich niedrigen Preisen alle Anstrengungen, die Klimakrise zu bekämpfen. Jetzt wollen Airlines, Flughäfen und Flugzeughersteller, dass massive Rettungspakete aus Steuermitteln geschnürt werden – ohne jede Gegenleistung. Es kann nicht sein, dass die Flugindustrie in guten Zeiten alle Gewinne einstreicht, während in Krisenzeiten die Steuerzahler*innen für ihre Verluste gerade stehen sollen”, so Magdalena Heuwieser von Stay Grounded. Das globale Netzwerk mit mehr als 150 Mitgliedsorganisationen hat den offenen Brief gestartet, der auch von einer Reihe von Universitätsinstituten, Gewerkschaften und Klimagerechtigkeitsinitiativen unterstützt wird. Von den über 250 Organisationen sind 57 aus Deutschland. 

In dem offenen Brief werden Regierungen dazu aufgefordert:

  1. die Bedürfnisse der Menschen an erste Stelle zu setzen und Beschäftigten zu helfen, anstatt Manager*innen und Aktionären*innen,
  2. einen Strukturwandel in Richtung klimagerechte Mobilität einzuleiten, indem Verkehrsnetze umgebaut und klimafreundliche Alternativen wie der Schienenverkehr gefördert werden, um dort klimagerechte Arbeitsplätze zu schaffen,
  3. die Steuerprivilegien der Flugindustrie abzuschaffen und neben einer Kerosinsteuer eine progressiv ansteigende Vielflieger*innenabgabe einzuführen.

In Deutschland wird derzeit hinter verschlossenen Türen über Maßnahmen zur Rettung der Lufthansa vor der Zahlungsunfähigkeit verhandelt. Die Entscheidung kann jeden Moment fallen. Der zum heutigen Tage zurücktretende Lufthansa-Finanzvorstand hatte noch Mitte März vorausgesagt, dass “die Lufthansa auch nach Corona noch fliegen und als Gewinner aus der Krise hervorgehen wird”. Die unterzeichnenden Organisationen sehen das anders: “Es ist keine Option, nach der aktuellen Krise zum klimaschädlichen ‘Business as Usual’ zurückzukehren und mit öffentlichen Gelder dafür zu sorgen, dass die Flugindustrie sogar ‘als Gewinner’ aussteigt. Gewinnen kann Lufthansa nur durch bedingungslose staatliche Hilfen auf der einen und unfaire Steuervorteile auf der anderen Seite. Beides unterstreicht die Verantwortungslosigkeit, mit der Deutschlands größte Fluggesellschaft der Klimakrise begegnet”, so Sascha Blanes von der Initiative Am Boden bleiben.

Die Luftfahrtindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten auf Kosten des Klimas massive Gewinne eingefahren. Schon heute ist der Flugverkehr inklusive der nicht-CO2-Effekte für 5-8 % der menschengemachten Klimaerhitzung verantwortlich. Dieser Anteil ist gewaltig angesichts der geringen Anzahl von Vielflieger*innen, die dafür hauptsächlich verantwortlich sind: So zeigt eine aktuelle Studie, dass die reichsten 10 % der Weltbevölkerung 75 % der Transportenergie im Flugverkehr verbrauchen.

Weitere Informationen:

Pressekontakt:
Sascha Blanes
presse@ambodenbleiben.de
+49 176 73406753

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